Einkommensteuer-Richtlinien und Hinweise (EStR/EStH) · Fassung 2025

H 24.1 (Entschädigungen i. S. d. § 24 Nr. 1 Buchst. a) EStH

Entschädigungen i. S. d. § 24 Nr. 1 Buchst. aHinweis der Finanzverwaltung zu § 24 EStG – Fassung 2025.

Aus dem amtlichen Wortlaut– Die Entschädigung i. S. d. § 24 Nr. 1 Buchst. a muss als Ersatz für unmittelbar entgangene oder entgehende konkrete Einnahmen gezahlt werden (BFH vom 09.07.1992 – XI R 5/91, BStBl II 1993 S. 27). Eine Anwendung von § 24 Nr. 1 Buchst. a kommt nicht in Betracht, wenn eine…

Amtlicher Wortlaut

– Die Entschädigung i. S. d. § 24 Nr. 1 Buchst. a muss als Ersatz für unmittelbar entgangene oder entgehende konkrete Einnahmen gezahlt werden (>BFH vom 09.07.1992 – XI R 5/91, BStBl II 1993 S. 27). Eine Anwendung von § 24 Nr. 1 Buchst. a kommt nicht in Betracht, wenn eine gewährte Versicherungsleistung trotz der Bezeichnung als Verdienstausfall nicht dahin gedeutet werden kann, dass damit Ersatz für steuerbare Einnahmen aus einer konkreten, d. h. bestimmten oder hinreichend bestimmbaren Einkunftsquelle i. S. d. § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1-7 gezahlt werden sollte (>BFH vom 26.05.2020 – IX R 15/19, BStBl II 2021 S. 901).

– Für den Begriff der Entschädigung nach § 24 Nr. 1 Buchst. a ist nicht entscheidend, ob das zur Entschädigung führende Ereignis ohne oder gegen den Willen des Stpfl. eingetreten ist. Eine Entschädigung i. S. d. § 24 Nr. 1 Buchst. a kann vielmehr auch vorliegen, wenn der Stpfl. bei dem zum Einnahmeausfall führenden Ereignis selbst mitgewirkt hat. Ist dies der Fall, muss der Stpfl. bei Aufgabe seiner Rechte aber unter erheblichem wirtschaftlichen, rechtlichen oder tatsächlichen Druck gehandelt haben; keinesfalls darf er das schadenstiftende Ereignis aus eigenem Antrieb herbeigeführt haben. Der Begriff des Entgehens schließt freiwilliges Mitwirken oder gar die Verwirklichung eines eigenen Strebens aus (>BFH vom 20.07.1978 – IV R 43/74, BStBl II 1979 S. 9, vom 16.04.1980 – VI R 86/77, BStBl II S. 393, vom 09.07.1992 – XI R 5/91, BStBl II 1993 S. 27 und vom 04.09.2002 – XI R 53/01, BStBl II 2003 S. 177). Gibt ein Arbeitnehmer im Konflikt mit seinem Arbeitgeber nach und nimmt dessen Abfindungsangebot an, entspricht es dem Zweck des Merkmals der Zwangssituation, nicht schon wegen dieser gütlichen Einigung in Widerspruch stehender Interessenlage einen tatsächlichen Druck in Frage zu stellen (>BFH vom 29.02.2012 – IX R 28/11, BStBl II S. 569). Bei einer (einvernehmlichen) Auflösung des Arbeitsverhältnisses sind tatsächliche Feststellungen zu der Frage, ob der Arbeitnehmer dabei unter tatsächlichem Druck stand, regelmäßig entbehrlich (>BFH vom 13.03.2018 – IX R 16/17, BStBl II S. 709).

– Die an die Stelle der Einnahmen tretende Ersatzleistung nach § 24 Nr. 1 Buchst. a muss auf einer neuen Rechts‑ oder Billigkeitsgrundlage beruhen. Zahlungen, die zur Erfüllung eines Anspruchs geleistet werden, sind keine Entschädigungen i. S. d. § 24 Nr. 1 Buchst. a, wenn die vertragliche Grundlage bestehen geblieben ist und sich nur die Zahlungsmodalität geändert hat (>BFH vom 25.08.1993 – XI R 8/93, BStBl II 1994 S. 167, vom 10.10.2001 – XI R 54/00, BStBl II 2002 S. 181 und vom 06.03.2002 – XI R 51/00, BStBl II S. 516).

– Entschädigungen nach § 24 Nr. 1 Buchst. a sind:

– Abfindung wegen Auflösung eines Dienstverhältnisses, wenn Arbeitgeber die Beendigung veranlasst hat (>BFH vom 20.10.1978 – VI R 107/77, BStBl II 1979 S. 176 und vom 22.01.1988 – VI R 135/84, BStBl II S. 525); hierzu gehören auch Vorruhestandsgelder, die aufgrund eines Manteltarifvertrags vereinbart werden (>BFH vom 16.06.2004 – XI R 55/03, BStBl II S. 1055),

– Abstandszahlung eines Mietinteressenten für die Entlassung aus einem Vormietvertrag (>BFH vom 21.08.1990 – VIII R 17/86, BStBl II 1991 S. 76),

– Aufwandsersatz, soweit er über den Ersatz von Aufwendungen hinaus auch den Ersatz von ausgefallenen steuerbaren Einnahmen bezweckt (>BFH vom 26.02.1988 – III R 241/84, BStBl II S. 615),

– Abfindung anlässlich der Liquidation einer Gesellschaft an einen Gesellschafter-Geschäftsführer, wenn auch ein gesellschaftsfremder Unternehmer im Hinblick auf die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft die Liquidation beschlossen hätte (>BFH vom 04.09.2002 – XI R 53/01, BStBl II 2003 S. 177),

– Abfindung, die der Gesellschafter-Geschäftsführer, der seine GmbH-Anteile veräußert, für den Verzicht auf seine Pensionsansprüche gegen die GmbH erhält, falls der Käufer den Erwerb des Unternehmens von der Nichtübernahme der Pensionsverpflichtung abhängig macht (>BFH vom 10.04.2003 – XI R 4/02, BStBl II S. 748). Entsprechendes gilt für eine Entschädigung für die durch den Erwerber veranlasste Aufgabe der Geschäftsführertätigkeit (>BFH vom 13.08.2003 – XI R 18/02, BStBl II 2004 S. 106),

– Abfindung wegen Auflösung eines Dienstverhältnisses, auch wenn bereits bei Beginn des Dienstverhältnisses ein Ersatzanspruch für den Fall der betriebsbedingten Kündigung oder Nichtverlängerung des Dienstverhältnisses vereinbart wird (>BFH vom 10.09.2003 – XI R 9/02, BStBl II 2004 S. 349),

– Schadensersatz infolge einer schuldhaft verweigerten Wiedereinstellung (>BFH vom 06.07.2005 – XI R 46/04, BStBl II 2006 S. 55),

– Schadensersatz aus Amtshaftung als Ersatz für entgangene Gehalts‑ und Rentenansprüche infolge einer rechtswidrigen Abberufung als Bankvorstand (>BFH vom 12.07.2016 – IX R 33/15, BStBl II 2017 S. 158),

– Leistungen wegen einer Körperverletzung nur insoweit, als sie steuerbare und steuerpflichtige Einnahmen ersetzen (sog. Verdienstausfall, >BFH vom 21.01.2004 – XI R 40/02, BStBl II S. 716). Dies gilt auch, wenn der Leistungsempfänger im Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses erwerbslos war (>BFH vom 20.07.2018 – IX R 25/17, BStBl II 2020 S. 186),

– Mietentgelte, die der Restitutionsberechtigte vom Verfügungsberechtigten nach § 7 Abs. 7 Satz 2 VermG erlangt (>BFH vom 11.01.2005 – IX R 66/03, BStBl II S. 450),

– Abfindung wegen unbefristeter Reduzierung der Wochenarbeitszeit aufgrund eines Vertrags zur Änderung des Arbeitsvertrags (>BFH vom 25.08.2009 – IX R 3/09, BStBl II 2010 S. 1030),

– Abfindung wegen Auflösung eines Beratungsvertrags, wenn die Leistung trotz Beibehaltung der rechtlichen Selbständigkeit im Wesentlichen wie die eines Arbeitnehmers geschuldet wurde (>BFH vom 10.07.2012 – VIII R 48/09, BStBl II 2013 S. 155),

– Entgelt, das bei vorzeitiger Beendigung eines Genussrechtsverhältnisses, das keine Beteiligung am Unternehmensvermögen vermittelt, als Ersatz für entgehende Einnahmen aus der Verzinsung von Genussrechtskapital gewährt wird (>BFH vom 11.02.2015 – VIII R 4/12, BStBl II S. 647),

– Zahlung zur Abgeltung einer dem Stpfl. zustehenden Forderung, soweit diese auf einem Entschädigungsanspruch aus einer Vergleichsvereinbarung beruht (>BFH vom 25.08.2015 – VIII R 2/13, BStBl II S. 1015),

– Entschädigungen ehrenamtlicher Richter für Verdienstausfall nach § 18 des Justizvergütungs‑ und ‑entschädigungsgesetzes, wenn sie als Ersatz für entgangene Einnahmen gezahlt werden (>BFH vom 31.01.2017 – IX R 10/16, BStBl II 2018 S. 571),

– die vom Schädiger zu einem späteren Zeitpunkt erstattete Einkommensteuer auf den vorher gewährten Ersatz eines Verdienstausfallschadens (>BFH vom 15.10.2024 – IX R 5/23, BStBl II 2025 S. 446).

– Keine Entschädigungen nach § 24 Nr. 1 Buchst. a sind:

– Abfindung, die bei Abschluss oder während des Arbeitsverhältnisses für den Verlust späterer Pensionsansprüche infolge Kündigung vereinbart wird (>BFH vom 06.03.2002 – XI R 51/00, BStBl II S. 516),

– Abfindung, die bei Fortsetzung des Arbeitnehmerverhältnisses für Verzicht auf Tantiemeanspruch gezahlt wird (>BFH vom 10.10.2001 – XI R 50/99, BStBl II 2002 S. 347),

– Abfindung nach vorausgegangener freiwilliger Umwandlung zukünftiger Pensionsansprüche (>BFH vom 06.03.2002 – XI R 51/00, BStBl II S. 516),

– Entgelt für den Verzicht auf ein testamentarisch vermachtes obligatorisches Wohnrecht (>BFH vom 09.08.1990 – X R 140/88, BStBl II S. 1026),

– Pensionsabfindung, wenn der Arbeitnehmer nach Eheschließung zur Herstellung der ehelichen Lebensgemeinschaft gekündigt hat (>BFH vom 21.06.1990 – X R 46/86, BStBl II S. 1020),

– Streikunterstützung (>BFH vom 24.10.1990 – X R 161/88, BStBl II 1991 S. 337),

– Zahlung einer Vertragspartei, die diese wegen einer Vertragsstörung im Rahmen des Erfüllungsinteresses leistet, und zwar einschl. der Zahlung für den entgangenen Gewinn i. S. d. § 252 BGB. Dies gilt unabhängig davon, ob der Stpfl. das Erfüllungsinteresse im Rahmen des bestehenden und verletzten Vertrags durchsetzt oder zur Abgeltung seiner vertraglichen Ansprüche einer ergänzenden vertraglichen Regelung in Form eines Vergleichs zustimmt (>BFH vom 27.07.1978 – IV R 149/77, BStBl II 1979 S. 66, IV R 153/77, BStBl II 1979 S. 69 und IV R 14/78, BStBl II 1979 S. 71, vom 03.07.1986 – IV R 109/84, BStBl II S. 806, vom 18.09.1986 – IV R 228/83, BStBl II 1987 S. 25 und vom 05.10.1989 – IV R 126/85, BStBl II 1990 S. 155),

– Zahlung für das Überspannen von Grundstücken mit Hochspannungsfreileitungen (>BFH vom 19.04.1994 – IX R 19/90, BStBl II S. 640),

– Ersatz für zurückzuzahlende Einnahmen oder Ausgleich von Ausgaben, z. B. Zahlungen für (mögliche) Umsatzsteuerrückzahlungen bei Auflösung von Mietverhältnissen (>BFH vom 18.10.2011 – IX R 58/10, BStBl II 2012 S. 286),

– Erstattungszinsen nach § 233a AO (>BFH vom 12.11.2013 – VIII R 36/10, BStBl II 2014 S. 168),

– Entschädigungen ehrenamtlicher Richter für Zeitversäumnis nach § 16 des Justizvergütungs‑ und ‑entschädigungsgesetzes, da diese Entschädigungen sowohl nach ihrem Wortlaut als auch nach ihrem Sinn und Zweck nicht an die Stelle von entgangenen oder entgehenden Einnahmen treten (>BFH vom 31.01.2017 – IX R 10/16, BStBl II 2018 S. 571),

– Aufstockungsbeträge zum Transferkurzarbeitergeld (>BFH vom 12.03.2019 – IX R 44/17, BStBl II S. 574),

– Leistungen wegen einer Körperverletzung, soweit sie für den Wegfall des Anspruchs auf steuerfreie Sozialleistungen wie das Arbeitslosengeld (§ 3 Nr. 2 Buchst. a) oder das Arbeitslosengeld II (§ 3 Nr. 2 Buchst. d) gezahlt werden (>BFH vom 20.07.2018 – IX R 25/17, BStBl II 2020 S. 186).

Amtliches Werk (§ 5 UrhG), Einkommensteuer-Richtlinien und Hinweise (EStR/EStH), Fassung 2025. Originaltext beim Bundesministerium der Finanzen.

Gesetzliche Grundlage

§ 24 EStG – Gemeinsame Vorschriften

Zu den Einkünften im Sinne des § 2 Absatz 1 gehören auch 1. Entschädigungen, die gewährt worden sind a) als Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen oder b) für die Aufgabe oder Nichtausübung einer Tätigkeit, für die Aufgabe einer Gewinnbeteiligung oder einer Anwartschaft auf eine solche; c) als Ausgleichszahlungen an Handelsvertreter nach § 89b des Handelsgesetzbuchs; 2. Einkünfte aus einer ehemaligen Tätigkeit im Sinne des § 2 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 bis 4 oder aus einem früheren Rechtsverhältnis im Sinne des § 2 Absatz 1 Satz 1 Nummer 5 bis 7, und zwar auch dann, wenn sie dem…

§ 24 EStG im Volltext →

Weitere Verwaltungsanweisungen zu § 24 EStG

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