H 32.2 (Fehlendes Obhuts‑ und Pflegeverhältnis zu den Eltern) EStH
Aus dem amtlichen WortlautA 11.4 DA-KG 2025: „(1) Ein Pflegekindschaftsverhältnis setzt des Weiteren voraus, dass ein Obhuts‑ und Pflegeverhältnis zu den Eltern nicht mehr besteht. Ob ein Obhuts‑ und Pflegeverhältnis zu den Eltern noch besteht, hängt vom Einzelfall ab und ist insbesondere unter…
Amtlicher Wortlaut
>A 11.4 DA-KG 2025:
„(1) Ein Pflegekindschaftsverhältnis setzt des Weiteren voraus, dass ein Obhuts‑ und Pflegeverhältnis zu den Eltern nicht mehr besteht. Ob ein Obhuts‑ und Pflegeverhältnis zu den Eltern noch besteht, hängt vom Einzelfall ab und ist insbesondere unter Berücksichtigung des Alters des Kindes, der Anzahl und der Dauer der Besuche der Eltern bei dem Kind sowie der Frage zu beurteilen, ob und inwieweit vor der Trennung bereits ein Obhuts‑ und Pflegeverhältnis des Kindes zu den Eltern bestanden hat (BFH vom 20.01.1995, III R 14/94, BStBl II S. 582 und BFH vom 07.09.1995, III R 95/93, BStBl II 1996 S. 63).
(2) Ein Pflegekindschaftsverhältnis liegt nicht vor, wenn die Pflegeperson nicht nur mit dem Kind, sondern auch mit einem Elternteil des Kindes in häuslicher Gemeinschaft lebt, und zwar selbst dann nicht, wenn der Elternteil durch eine Schul‑ oder Berufsausbildung in der Obhut und Pflege des Kindes beeinträchtigt ist (BFH vom 09.03.1989, VI R 94/88, BStBl II S. 680). Ein zwischen einem allein erziehenden Elternteil und seinem Kind im Kleinkindalter begründetes Obhuts‑ und Pflegeverhältnis wird durch die vorübergehende Abwesenheit des Elternteils nicht unterbrochen (BFH vom 12.06.1991, III R 108/89, BStBl II 1992 S. 20). Die Auflösung des Obhuts‑ und Pflegeverhältnisses des Kindes zu den Eltern kann i. d. R. angenommen werden, wenn ein noch nicht schulpflichtiges Kind mindestens ein Jahr lang bzw. ein noch schulpflichtiges Kind über zwei Jahre und länger keine ausreichenden Kontakte mehr hat (BFH vom 20.01.1995, III R 14/94, BStBl II S. 582 und BFH vom 07.09.1995, III R 95/93, BStBl II 1996 S. 63). Das Pflegekindschaftsverhältnis besteht dann nicht erst nach Ablauf dieses Zeitraums, sondern ab Aufnahme des Kindes in den Haushalt der Pflegeperson und Bestehen des familienähnlichen, auf längere Dauer berechneten Bandes. Diese Grundsätze gelten auch für Prognoseentscheidungen. Die Prognoseentscheidung basiert auf der Bewertung, ob zum Zeitpunkt der Entscheidung das Obhuts‑ und Pflegeverhältnis zu den abstammungsrechtlich zugeordneten Eltern besteht. Kein ausreichendes Obhuts‑ und Pflegeverhältnis liegt beispielsweise vor, wenn:
– ein Pflegekind von seinen Eltern nur gelegentlich im Haushalt der Pflegeperson besucht wird bzw. wenn es seine Eltern ebenfalls nur gelegentlich besucht,
– Besuche allein dem Zweck dienen, die vom Gericht oder Jugendamt festgelegten Besuchszeiten einzuhalten, oder
– die Kontakte mit den Eltern nicht geeignet sind, einen Beitrag für die Pflege und Obhut des Kindes zu leisten und Obhut und Pflege also im Wesentlichen durch die Pflegeperson erbracht werden.
(3) Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen kann das fehlende Obhuts‑ und Pflegeverhältnis zu den Eltern unterstellt werden. Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling gilt ein minderjähriges Kind, das ohne Begleitung eines nach dem Gesetz oder der Praxis des betreffenden Staates für das Kind verantwortlichen Erwachsenen geflüchtet ist.“
Amtliches Werk (§ 5 UrhG), Einkommensteuer-Richtlinien und Hinweise (EStR/EStH), Fassung 2025. Originaltext beim Bundesministerium der Finanzen.
Gesetzliche Grundlage
§ 32 EStG – Kinder, Freibeträge für Kinder
(1) Kinder sind 1. im ersten Grad mit dem Steuerpflichtigen verwandte Kinder, 2. Pflegekinder (Personen, mit denen der Steuerpflichtige durch ein familienähnliches, auf längere Dauer berechnetes Band verbunden ist, sofern er sie nicht zu Erwerbszwecken in seinen Haushalt aufgenommen hat und das Obhuts- und Pflegeverhältnis zu den Eltern nicht mehr besteht). (2) ¹Besteht bei einem angenommenen Kind das Kindschaftsverhältnis zu den leiblichen Eltern weiter, ist es vorrangig als angenommenes Kind zu berücksichtigen. ²Ist ein im ersten Grad mit dem Steuerpflichtigen verwandtes Kind zugleich ein…
§ 32 EStG im Volltext →Weitere Verwaltungsanweisungen zu § 32 EStG
20 von 44 Abschnitten – die nächstgelegenen im Handbuch.
- R 32.1 EStR – Im ersten Grad mit dem Stpfl. verwandte KinderEStH
- R 32.2 EStR – PflegekinderEStH
- R 32.3 EStR – Allgemeines zur Berücksichtigung von KindernEStH
- R 32.4 EStR – Kinder, die Arbeit suchenEStH
- R 32.5 EStR – Kinder, die für einen Beruf ausgebildet werdenEStH
- R 32.6 EStR – Kinder, die sich in einer Übergangszeit befindenEStH
- R 32.7 EStR – Kinder, die mangels Ausbildungsplatz ihre Berufsausbildung nicht beginnen oder fortsetzen könnenEStH
- R 32.8 EStR – Kinder, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder freiwillige Dienste leistenEStH
- R 32.9 EStR – Kinder, die wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhaltenEStH
- R 32.10 EStR – ErwerbstätigkeitEStH
- R 32.11 EStR – Verlängerungstatbestände bei Arbeit suchenden Kindern und Kindern in BerufsausbildungEStH
- R 32.12 EStR – Höhe der Freibeträge für Kinder in SonderfällenEStH
- R 32.13 EStR – Übertragung der Freibeträge für KinderEStH
- H 32.1 (Anerkennung der Vaterschaft) EStH – Anerkennung der VaterschaftEStH
- H 32.1 (Annahme als Kind) EStH – Annahme als KindEStH
- H 32.2 (Familienähnliches, auf längere Dauer berechnetes Band; nicht zu Erwerbszwecken) EStH – Familienähnliches, auf längere Dauer berechnetes Band; nicht zu ErwerbszweckenEStH
- H 32.4 (Erkrankung und Mutterschaft) EStH – Erkrankung und MutterschaftEStH
- H 32.4 (Volljährige Kinder ohne Arbeitsplatz) EStH – Volljährige Kinder ohne ArbeitsplatzEStH
- H 32.5 (Allgemeines) EStH – AllgemeinesEStH
- H 32.5 (Beginn, Unterbrechung und Ende der Berufsausbildung) EStH – Beginn, Unterbrechung und Ende der BerufsausbildungEStH
BFH-Rechtsprechung zu § 32 EStG
6 von 407 zugeordneten Entscheidungen.
- BFH, Urteil vom 18.06.2026, III R 2/241. Die Möglichkeit zum Widerspruch gegen die Übertragung des Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsfreibetrags auf den anderen Elternteil gemäß § 32 Abs. 6 Satz 9 des Einkommensteuergesetzes trägt der durch…
- BFH, Urteil vom 22.04.2026, III R 7/241. Der Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung im Sinne des § 32 Abs. 4 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) setzt einen Abschluss nach einer grundsätzlich mindestens einjährigen Ausbildungsdauer voraus. 2.…
- BFH, Urteil vom 27.11.2025, III R 8/23Der Senat ist nicht überzeugt, dass § 10 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes insofern verfassungswidrig ist, als der Sonderausgabenabzug die Haushaltszugehörigkeit des Kindes voraussetzt (vgl. bereits…
- BFH, Urteil vom 30.10.2025, III R 11/241. Mehraufwendungen für eine rollstuhlgerechte Wohnung sind bei der Prüfung, ob ein volljähriges Kind aufgrund seiner Gehbehinderung gemäß § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 des Einkommensteuergesetzes zum Selbstunterhalt…
- BFH, Urteil vom 25.09.2025, III R 20/231. Sozialleistungen, die einem volljährigen Kind mit Behinderung zufließen, sind grundsätzlich als finanzielle Mittel zu erfassen, die seine Fähigkeit zum Selbstunterhalt gemäß § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 des…
- BFH, Urteil vom 09.04.2025, X R 11/211. Bei der Günstigerprüfung nach § 10a Abs. 2 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ist die Differenz der tariflichen Einkommensteuer, die sich einerseits ohne und andererseits mit Abzug der Beiträge zur…
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Erläutern Sie die Ausnahme für eigene Wohnzwecke nach § 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 S. 3 EStG.
- Zwei Alternativen: ausschließliche Eigennutzung seit Anschaffung/Fertigstellung oder Eigennutzung im Veräußerungsjahr und den beiden Vorjahren (§ 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 S. 3 EStG).
- Für Alt. 2 genügt ein zusammenhängender Zeitraum über drei Kalenderjahre; das erste und letzte Jahr müssen nicht voll ausgefüllt sein (BFH, Urteil vom 27.06.2017, IX R 37/16).
- Unentgeltliche Überlassung an ein nach § 32 EStG zu berücksichtigendes Kind ist Eigennutzung, Vermietung oder Überlassung an sonstige Angehörige nicht (BFH, Urteil vom 24.05.2022, IX R 28/21).
- Bei gemischter Nutzung ist nach Wohnflächen aufzuteilen (BFH, Urteil vom 19.07.2022, IX R 20/21); Grund und Boden folgt dem Gebäudeteil (BFH, Urteil vom 26.09.2023, IX R 14/22).
Typische Nachfrage: Was gilt, wenn die Wohnung bis zur Mitte des Vorvorjahres vermietet und erst danach selbst genutzt wurde?
Wissen ist gut. Prüfungsreif ist besser.
Die Prüfung fragt nicht, ob Sie eine Norm kennen, sondern ob Sie sie unter Zeitdruck anwenden. Trainieren Sie genau das – jeden Tag ein Stück, bis es sitzt.
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- Klausurfälle mit Korrektur nach Punkteschema
- Prüferfragen und Kurzvortrag für die Mündliche